Welche Bestandteile können Reiniger enthalten?

So überraschend es vielleicht klingt: Der Hauptinhaltsstoff aller Flüssigprodukte ist Wasser. Eine geringe Menge ist sicher erforderlich, um die anderen Inhaltsstoffe zu lösen. Ansonsten kann Wasser aber jeder selber zusetzen und je konzentrierter ein Produkt ist, umso besser: weniger Transportaufwand, weniger Lagerplatz, weniger Abfälle usw. Allerdings muss das Produkt dann wirklich genau dosiert werden, d.h. durch Abmessen.

Wichtigster "chemischer" Bestandteil der meisten Reiniger sind dann die Tenside (waschaktive Substanzen). Das bekannteste Tensid ist Seife. Tenside sind für das Schäumen verantwortlich. Tenside lösen vor allem Fettstoffe, sie erleichtern aber auch das Ablösen von Partikeln. Manche Tenside, besonders Seifen, können mit Wasserbestandteilen (vor allem Kalziumionen) reagieren: sie flocken aus und bilden unlösliche Beläge. Vor allem in Gebieten mit hartem Wasser sollten deshalb Reiniger mit modernen nichtionischen Tensiden bevorzugt werden, denn diese sind unempfindlich gegenüber Wasserhärte. Im Haushaltsbereich sind Tenside immer die Hauptkomponente, sozusagen das "Arbeitspferd" eines Putzmittels.

Um empfindliche Tenside vor der Wasserhärte zu schützen, können in Reinigern auch so genannte Gerüststoffe (Enthärter) enthalten sein. Früher war die häufigste Substanz das Phosphat. Heute werden auch Phosphonate, NTA oder EDTA eingesetzt. Gerüststoffe helfen auch mit, gelöste Schmutzpartikel im Wasser zu halten. Bei härteunempfindlichen Reinigern mit nichtionischen Tensiden sind Gerüststoffe aber eigentlich überflüssig.

Neben Tensiden enthalten manche Mittel zusätzliche Lösungsmittel. Beispiele wären Alkohol oder auch Salmiak (Ammoniak) oder Glykole. Lösungsmittel verbessern die Fettlösekraft. Solche Mittel werden dann z.B. als "Kraftreiniger" verkauft. Sie sind in der Regel aber überflüssig und belasten oft die Raumluft (besonders Salmiak). Muss viel Fett weggeputzt werden, so kann man auch den normalen Reiniger einfach etwas stärker dosieren.

Scheuermilch oder Scheuerpulver enthalten mechanisch wirksame Pulver. Damit kann man viele Ablagerungen – auch Fette – sehr gut entfernen. Quarz sollte nicht enthalten sein, da dieses Material so hart ist, dass sogar Glas leicht zerkratzt wird. Schonende Mittel enthalten z.B. Kalk- oder Marmormehl oder Porzellanerde (Kaolin). Diese schonenden Bestandteile schonen Glas und Metalloberflächen sehr gut. Kunststoffe werden davon aber immer noch angegriffen.

Laugen (Alkalien) sind teilweise in Kraftreinigern enthalten, in höherer Dosierung aber in Spezialprodukten für die Küche. Sie unterstützen besonders die Fettentfernung. Für normale Reinigungsaufgaben sind sie überflüssig.

Säuren sind erforderlich, um Kalkablagerungen  zu entfernen. Diese gibt es vor allem in Dusche und WC und an allen Waschbecken. Je größer die Wasserhärte, desto größer ist das Kalkproblem. Säure-haltige Reiniger werden als Sanitärreiniger bezeichnet. Als Säure sollte Zitronensäure oder Amidosulfonsäure enthalten sein. Die Kombination mit nichtionischen Tensiden ist besser als die mit anionischen Tensiden, deren Wirksamkeit durch Säuren beeinträchtigt wird.

Duft- und Farbstoffe tragen nichts zur Reinigungsleistung bei. Sie sind deshalb überflüssig und zum Teil auch schädlich. Viele Duftstoffe sind bekannte Allergene. Die 26 häufigsten Allergie-auslösenden Duftstoffe müssen nun auch bei Reinigungsmitteln (genauso wie bei Kosmetika) einzeln, d.h. namentlich deklariert werden [siehe unten]. Die zunehmende Verwendung von Duftstoffen wird allgemein als bedenklich angesehen [siehe unten].

Biozide, die dazu dienen sollen, auf den gereinigten Flächen Keime abzutöten, sind im Privathaushalt nicht nötig [siehe unten]. Sie sind oft gefährlich (Chlor, Benzalkoniumchlorid, Bleichmittel usw.). Das Ansteckungsrisiko über Flächen kann zuhause vernachlässigt werden: von Bedeutung sind ausschließlich Lebensmittel (Lebensmittelinfektionen) oder erkrankte Mitbewohner oder Haustiere, an denen man sich direkt ansteckt. Biozide, die als Konservierungsmittel das Verkeimen und den Verderb von Putzmittelnverhindern, sind jedoch in vielen Fällen erforderlich und dann auch sinnvoll.

Nähere Informationen zur Anwendung von Wasch- und Reinigungsmitteln sowie zu Inhaltsstoffen gibt das Umweltbundesamt [siehe Links zum Thema].

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