Ist "Reine Baumwolle" das Beste?

Nein – denn sogar diese Bezeichnung ist keineswegs eindeutig. Sie bezieht sich nämlich nur auf die enthaltenen Faserarten und nicht auf den Gewichtsanteil. Wird z.B. die Baumwollfaser mit einem Kunstharz imprägniert, so dass letztlich 20% Gewichtsanteile Ausrüstungschemie und 80% Gewichtsanteile Baumwolle vorhanden sind, so wird das Textil weiterhin als "Reine Baumwolle" oder "100% Baumwolle" gekennzeichnet. Man kann dann nur indirekt auf die Ausrüstung schließen, wenn mit Attributen wie "pflegeleicht" oder "bügelfrei" geworben wird.

Bei Wäsche, die häufig nass wird, etwa im Sportbereich, ist Baumwolle generell nicht sinnvoll, da sie zunächst zwar gut saugt, dann aber aufquillt, lange nass bleibt und auf der Haut "klebt". Das Schwitzen wird dadurch behindert und die schweren Textilien scheuern auf der Haut.

Sind in einem Textil Kunstfaser-Anteile (etwa Polyester) enthalten, so muss dies deklariert werden. Eine Qualitätseinbuße bedeutet der Kunstfaseranteil nicht. Bei solchen Mischgeweben steigt die Haltbarkeit, denn sie sind nicht so empfindlich gegen das Durchscheuern (bei einer Pflegeleicht-Ausrüstung ist übrigens das Gegenteil der Fall). Mischgewebe trocknen auch schneller und sie sind weniger knitterempfindlich.

Kunstfaser-Zumischungen können jedoch auch Nachteile haben. Besonders Polyester nimmt leicht Gerüche an, dies kann sich sehr unangenehm bemerkbar machen. Die Neigung zur elektrostatischen Aufladung, die Bildung kleiner "Knötchen"(sogenanntes Pilling) auf der Oberfläche oder eine mangelnde "Blickdichtigkeit" sind Probleme, die ebenfalls auftreten können, besonders bei Ware von weniger guter Qualität.

Mangelnde Qualität gibt es aber auch bei der Baumwolle. In Abhängigkeit von der Baumwollsorte und den Anbaubedingungen werden sehr verschiedene Qualitäten gehandelt. Erkennen kann der Kunde dies in der Regel nicht. Beult sich die Jeans rasch aus und scheuert durch, dann liegt dies wahrscheinlich am kurzfaserigeren Rohstoff. Nur beste langstapelige Qualitäten wie peruanische PIMA-Baumwolle oder ägyptische MAKO-Baumwolle werden als solche gekennzeichnet. Besonders bei Unterwäsche ist auch "gekämmte" oder "supergekämmte" Ware im Handel: hier wurden die kurzen Fasern bei der Garnherstellung mechanisch entfernt.

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