Was bedeutet Antibiotika-Resistenz?

Man könnte fast sagen, Bakterien gehören zu den intelligentesten Lebewesen, die der liebe Gott erschaffen hat. Sie waren schon vor Adam und Eva da, denn Adam musste eine gesunde Bakterienflora in seinem Darm haben, um den Apfel verdauen zu können. Und sie werden die Menschheit überleben, wenn diese einmal zugrunde gehen sollte. Denn im Laufe der Evolution haben sich Bakterien allen widrigen Umständen anpassen können. Es gibt hitzeresistente, kälteresistente, strahlenresistente, feuchtigkeitsresistente, austrocknungsresistente Bakterien usw. Natürlich haben es die Bakterien auch verstanden, sich allen Angriffen der Menschen mit Antibiotika zu erwehren. So jedenfalls hat Prof. Dr. med. Franz Daschner, Vorstand der Stiftung viamedica, während seiner Lehrtätigkeit an der Universität Freiburg versucht, das Problem Antibiotikaresistenz seinen Studenten plastisch darzustellen.

In der Tat ist es so, dass es kein einziges Antibiotikum gibt, gegen das Bakterien nicht in der Lage waren und sind, Resistenzen zu entwickeln. Spätestens ein Jahr, nach dem die Wissenschaft ein neues Antibiotikum auf den Markt bringt, tauchen die ersten resistenten Bakterien auf. Und zwar immer bei den Patienten, die mit dem neuen Antibiotikum behandelt wurden. Mittlerweile gibt es Bakterien, die v.a. bei abwehrgeschwächten Patienten lebensbedrohliche Infektionen hervorrufen, die nur noch mit einem einzigen Antibiotikum behandelt werden können. Bakterien haben geradezu bewundernswerte Mechanismen entwickelt, um sich gegen Antibiotika wehren zu können. Einige können ihre Zellwand so verändern, dass die Antibiotika nicht mehr eindringen können. Andere ändern ihren Stoffwechsel, um den Eingriff von Antibiotika in ihren Stoffwechsel zu verhindern. Wieder andere haben Pumpen entwickelt, um Antibiotika, die es geschafft haben, in das Bakterieninnere einzudringen, wieder herauszupumpen. Andere produzieren Enzyme, die sie in den Blutkreislauf absondern, um Antibiotika  zu inaktivieren, bevor diese die Bakterien erreichen. Schließlich gibt es Bakterien, die verschiedene Abwehrmechanismen gleichzeitig in Gang setzen können.[siehe Downloads, Artikel von Prof. Dr. Bernd Wiedemann].

Antibiotika-Resistenz ist weltweit zu einem der größten Probleme bei der Infektionsbekämpfung geworden. Täglich sterben weltweit mehr Menschen an Infektionen, verursacht durch antibiotikaresistente Bakterien, als an Aids. In Russland und in einigen asiatischen Ländern sterben jährlich tausende Patienten an Lungentuberkulose, verursacht durch resistente Tuberkelbakterien. Die Europäische Union hat deswegen das Thema Antibiotikaresistenz zu einem Forschungsschwerpunkt gemacht und finanziert mit 1,2 Mio Euro das Forschungsprojekt
BURDEN (BURDEN OF RESISTANCE AND DISEASE IN EUROPEANNATIONS), an dem sich Forschungsgruppen in 14 Ländern mit 15 Kliniken und 200 Intensivstationenbeteiligen.

Das Forschungsprojekt wird von Prof. Dr. Uwe Frank, dem kommissarischen Direktor des Instituts für Umweltmedizin und Krankenhaushygiene an der Universitätsklinik Freiburg koordiniert.

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